Volkswagen räumt weitere Manipulationen ein

Der Betrugsskandal bei VW breitet sich aus. Nun soll es auch zu Schummeleien bei der Typenzulassung der als besonders umweltfreundlich geltenden Blue-Motion-Modelle gekommen sein. Bei bis zu 800.000 Fahrzeugen sollen demnach falsche Angaben beim CO2-Ausstoß und beim Verbrauch gemacht worden sein. Darüber hinaus scheinen nun auch erstmals Benzinmotoren davon betroffen zu sein.

VW gab frisierte Verbrauchsangaben zu

Am Dienstag musste der Volkswagen Konzern einräumen, auch Fahrzeuge mit falschen Angaben zum Verbrauch verkauft zu haben. Das brisante daran ist, dass es sich dabei nicht um die bisher bekannten manipulierten Abgaswerte bei Dieselmotoren handelt, sondern um zu niedrige Verbrauchswerte bei Fahrzeugen. Damit ist ein neuer Aspekt in die Affäre um den gebeutelten VW Konzern gekommen. Mit den zu niedrigen Werten haben verschiedene Fahrzeugmodelle ihre Typenzulassung erhalten.

Modelle mit der Blue-Motion-Bezeichnung werden von VW als besonders verbrauchsarm und mit besonders geringem CO2-Ausstoß angepriesen. Die Manipulationen in diesem Bereich jedoch sind beträchtlich. In einem internen Untersuchungsprotokoll des Golf Blue Motion wurde ein tatsächlicher CO2-Ausstoß von 100 Gramm CO2/km gemessen. Angegeben werden im Verkauf aber nur 90 Gramm CO2/km. Betroffen sind insgesamt ca. 800.000 Fahrzeuge, die meisten davon mit Dieselmotoren. Sie wurden vor allem in Deutschland verkauft.

Kein technischer Defekt

Nach Einschätzung der internen Revision handelt es sich dabei nicht etwa um einen technischen Defekt der in den Fahrzeugen eingesetzten Software, sondern schlichtweg um betrügerische Angaben. Rund zwei Milliarden Euro wird VW wohl nun für Kunden zurückstellen, die einen Mangel geltend oder eine Wandlung von den Wolfsburgern einfordern könnten.

In diesem Zusammenhang finden derzeit auch Gespräche mit den Behörden in Deutschland statt, wie nachträglich eine neue Typenzulassung für die betroffenen Modelle ermöglicht werden kann. Bis dahin können die Fahrzeuge auch weiterhin auf öffentlichen Straßen gefahren werden. Allerdings drängen die neuen Vorwürfe den Volkswagen Konzern in Bezug auf die Manipulationsvorwürfe in den USA weiter in die Defensive.

Die amerikanische Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) wirft dem Volkswagen-Konzern auch bei den 3,0-Liter-V6-Dieseln Manipulation vor - VW wies diese zurück.

Die amerikanische Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) wirft dem Volkswagen-Konzern auch bei den 3,0-Liter-V6-Dieseln Manipulation vor – VW wies diese zurück.

Die US-amerikanische Umweltbehörde EPA hat in den USA das Verhalten der V6 Dieselmotoren kritisiert. Bislang war die EPA davon ausgegangen, dass in der Warmlaufphase der Dieselmotoren keine Abgasemissionen anfallen würden. Offensichtlich ist es aber doch der Fall. Der VW Konzern dagegen kann die Vorwürfe nicht nachvollziehen und hat energisch jedweden Manipulationsversuch ausgeschlossen. Alle monierten Motoren seien im Rahmen der Aufklärung des Abgasskandals von VW getestet worden. Die Techniker der internen Revision konnten dabei keinen Hinweis auf irgendwelche Manipulationen feststellen.

Audi dementiert Manipulationen

Am Dienstag dann ging Audi in die Öffentlichkeit mit dem Ziel, eine Verschärfung der Krise mit der kampfeslustigen Umweltbehörde zu vermeiden. Ein Sprecher betonte, dass die Software, die in den Motoren der Ingolstädter verwendet wird, gesetzeskonform ist. Mehrere Techniker sind am Dienstag in die USA aufgebrochen, um die Vorwürfe mit der EPA vor Ort zu besprechen.

Sollten von Audi technische Maßnahmen gefordert werden, werde man diese umsetzen, versicherte der Sprecher weiter. Für den schon arg gebeutelten VW Konzern wäre eine Ausweitung des Skandals auf größere Modelle wie etwa von Audi oder Porsche unangenehm. Allerdings ist der Anteil an Dieselmotoren unter den größeren Modellen wie beispielsweise beim VW Touareg oder Porsche Cayenne mit ca. 10.000 Fahrzeugen in den USA relativ gering. Bei den Manipulationsvorwürfen der EPA im September ging es zunächst nur um Fahrzeug mit einem Zwei-Liter-Dieselmotor.

Seit Bekanntwerden der Manipulationen bei den Abgaswerten im September hat der VW Konzern bislang ein Drittel an Wert verloren.

Foto: Hersteller (Volkswagen)